Nr. 188, Dezember 2008
Familiengeschichten sind ein unerschöpfliches Reservoir der Literatur. Seine Freunde und Bekannten, ja seine Kollegen kann man sich bis zu einem gewissen Grad selbst aussuchen, in die Familie aber wird man hineingeboren. Das Heft bringt Familiengeschichten von Colm Tóibín, Sibylle Lewitscharoff, David Wagner. Eigentliches Zentrum ist eine poetologische E-Mail-Diskussion über die Frage, ob und welche „Spuren der Globalisierung“ es in zeitgenössischer Poesie gibt. Beteiligt haben sich Gerhard Falkner, René Hamann und Monika Rinck, moderiert von Theresa Klesper.
- In unserer Kolumne Auf Tritt Die Poesie stellen wir die amerikanische Lyrikerin Rae Armantrout vor.
- Zu Gast in Berlin war der New Yorker Lyriker Christian Hawkey.
- Ferner: Lothar Müllers Dankesrede für den Johann-Heinrich-Merck-Preis 2008 und dazu die von Ingo Schulze gehaltene Laudatio, dazu ein neuer Text von Astrid Kaminski und Gedichte von Jean Krier.
- Gleichzeitig mit Heft 188 - Dezember 2008 erscheint das Sonderheft 2008 unserer Zeitschrift: Sehnsuchtsort Berlin – Das Literarische Tandem und Beyond the Wall. Für Abonnenten ist das Sonderheft im Bezugspreis enthalten. Bitte beachten Sie außerdem das aktualisierte Gesamtverzeichnis der Spr.i.t.Z. seit 1994 (kostenlos als pdf abrufbar).
Editorial
Familiengeschichten sind ein unerschöpfliches Reservoir der Literatur. Seine Freunde und Bekannten, ja seine Kollegen kann man sich bis zu einem gewissen Grad selbst aussuchen, in die Familie aber wird man hineingeboren. Dieses Heft beginnt mit Geschichten, die sich in verschiedenster Weise mit Familiegeschichten auseinandersetzen. Den Beginn macht der in Amerika lebende Ire Colm Tóibín, der in seiner „Eins minus eins“ überschriebenen Geschichte von einer Reise heim nach Irland erzählt, wo die Mutter des Protagonisten im Sterben liegt. Im neuen Roman von Sibylle Lewitscharoff geht die Reise noch weiter zurück, in das Land ihrer Vorfahren nach Bulgarien. Das neue Buch von David Wagner hingegen setzt den Kontrapunkt. In „Sagt das Kind“ umkreist der Berliner Autor das Thema Kindheit.
Das eigentliche Zentrum des Heftes aber bildet dieses Mal die Poesie. Wir drucken eine von Theresa Klesper moderierte poetologische E-Mail-Diskussion. Sie schreibt in ihrer Einführung: „Spätestens seit der Epoche des Expressionismus hat die Stadt als Sujet einen festen Platz in der deutschsprachigen Lyrik. Während sie in der Moderne hauptsächlich den Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft und die Krise des Subjekts bis hin zu dessen Dissoziation thematisiert, steht die poetische Darstellung der Stadt zu Beginn des 21. Jahrhunderts vor neuen Herausforderungen. Städte der Gegenwart sind einem andauernden Prozess rasanter Durchökonomisierung unterworfen. Riesige Shopping-Malls, Freizeit-Konsum-Parks und Stadtautobahnen besetzen den Lebensraum. Die Gegensätze zwischen Stadt und Land schwinden zugunsten einer allgemeinen Urbanität.“ Monika Rinck, Gerhard Falkner und René Hamann diskutieren die Thesen und gehen dabei auch auf aktuelle Gedichte ein.
Natürlich drucken wir auch Gedichte in der Kolumne „Auf Tritt Die Posie“. Matthias Göritz stellt die amerikanische Lyrikerin Rae Armantrout vor. „Zu Gast in Berlin“ ist dieses Mal der New Yorker Lyriker Christian Hawkey; er wird von Steffen Popp eingeführt. Darüber hinaus drucken wir Gedichte von Astrid Kaminski und Jean Krier aus Luxemburg.
Bei der Herbsttagung der Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung wurde der Literaturkritiker Lothar Müller mit dem Johann-Heinrich-Merck-Preises 2008 ausgezeichnet. Wir dokumentieren seine Dankesrede und die von Ingo Schulze gehaltene Laudatio.
Auf Tritt die Poesie
Matthias Göritz Vom Reiz der MöglichkeitRae Armantrout Gedichte
Leseproben
Christian Hawkey Sonette mit elisabethanischem MaulwurfColm Tóibín Eins minus eins
Inhalt
| Familiengeschichte - Familiengeschichten | ||
| Colm Tóibín | Eins minus eins | 364 |
| Sibylle Lewitscharoff | Unterwegs mit Rumen | 377 |
| David Wagner | Spricht das Kind | 384 |
| Das Gedicht und die Stadt | ||
| Spuren der Globalisierung in zeitgenössischer Poesie? |
390 | |
| Auf Tritt Die Poesie | ||
| Matthias Göritz | Vom Reiz der Möglichkeiten | 421 |
| Rae Armantrout | Gedichte | 423 |
| Zu Gast in Berlin | ||
| Steffen Popp | Auslotungen unkalkulierbarer Welten | 434 |
| Christian Hawkey | Sonette mit elisabethanischem Maulwurf |
436 |
| Der Autor und der Kritiker | ||
| Ingo Schulze | Das Lothar-Müller-ABC | 446 |
| Lothar Müller | Merck, der Mist und das Misstrauen | 455 |
| Zu Gast in Berlin | ||
| Astrid Kaminski | Juxtaposition zweier vorbildlicher Haushalte |
461 |
| Jean Krier | Gedichte | 466 |



