Ja Shapcott

Gedichte

(aus Heft Nr. 172, S. 457-462)

Später Schnee

Ein kalter Frühling:
das Veilchen auf dem Rasen war zerknickt.
Elizabeth Bishop

 

Kalte Luft zog vom Polarmeer heran
und ein Tief schob sich über die Irische See:
in Cambridge kamen die Kricketspieler ins Rutschen,
die Pässe über die Penninen wurden gesperrt,
in Yorkshires Tälern brach der Strom zusammen.

 

Die Schafe mochten den Schnee; er kam ihrer Tarn-
farbe zupaß. Sie lebten wie neue Geschöpfe in Eishöhlen:
Eisatem, Eisfell, das Wiederkäuen, Kreißen –
ihre Zungen aber blieben haften am Eis,
als das blutige Fruchtwasser rund um die Lämmer gefror.

 

Jetzt ist es Sommer. Ich bin auf kalte Getränke aus,
stochere in Cocktails, halte gekühlten Tee ins Licht.
Ich suche den Eiswürfel, der wie ein Minzbonbon gestreift ist,
will ihn im Mund halten, ihn schmelzen lassen,
bis Hufe über meine Zunge stieben.

...

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