Nr. 227, September 2018


Editorial

Die Geschichte dieser Zeitschrift ist aufs engste mit der Geschichte der Technischen Universität Berlin verbunden. Als im Jahr 1959 der in Frankfurt lehrende Germanistikprofessor Walter Höllerer einen Ruf an die Technische Universität Berlin erhielt gründete er dort ein Institut für „Sprache im technischen Zeitalter“. Zwei Jahre später erschien die erste Ausgabe dieses Periodikums gleichen Namens. Seit einigen Jahren nun organisiert die TU Berlin jeweils Anfang Juli eine Walter Höllerer Lecture, die in diesem Jahr der Mitherausgeber der SpritZ – und übrigens auch deren erster Redakteur – Norbert Miller hielt. Unter dem Titel „Utopien des Wiederstands“ schreibt Miller über drei Autoren, die für Walter Höllerer wichtig waren: Alfred Döblin, Stanislaw Lem und Thomas Pynchon. Der Schwerpunkt dieses Heftes verdankt sich auch einem Projekt der TU Berlin. In alter Tradition der Germanistik der TU wurde der Literaturwissenschaftler und Autor Thomas Hettche zum Honorarprofessor an der TU berufen und seine erste Veranstaltung „Emphatische Lektüren“ dokumentieren wir. „Eine emphatische Lektüre nun nimmt in den Blick, was eins solche objektivierende, wissenschaftliche Lektüre zwangsläufig leugnet, dass nämlich der Leser selbst das Messintrument ist und daher die Erstellung eines Katasters im Sinne einer gültigen Deutung eines literarischen Textes möglich und unmöglich zugleich ist“, so Hettche in seiner Einleitung. Er bat vier Autorenkolleginnen und Kollegen Kleists Erdbeben in Chili noch einmal zu lesen und über ihre Leseerfahrung einen Vortrag zu schreiben. Aris Fioretos, Felicitas Hoppe, Olga Martynova und Ulrich Peltzer machten mit. Dass die Beiträge sehr unterschiedlich ausfielen verwundert bei der Erläuterung nicht. In der Rubrik Auf Tritt Die Poesie stellt Michael Braun die Lyrikerin Christiane Heidrich vor. Im freien Teil des Heftes am Ende entführt Jakob Nolte seine Leser nach Mexiko. Aus Amanda Michalopoulous Roman „Barock“ drucken wir drei Berlinkapitel. Ihre Übersetzerin Birgit Hildebrand führt in das Buch ein. Über das nicht immer einfache Leben in Berlin schickte uns der in Berlin und in der Oberpfalz lebende Filmemacher und Autor Werner Fritsch eine Glosse. Und last but not least drucken wir Gedichte der ukrainischen Lyrikerin Iryna Tsilyk, die zu Gast im Literarischen Colloquium war.


Inhalt

­­­
Norbert Miller Utopien des Widerstands:
Alfred Döblin, Stanislaw Lem, Thomas Pynchon
248
 
Emphatische Lektüren­
Thomas Hettche Emphatische Lektüren:
Kleists Erdbeben in Chili
262
Aris Fioretos 8,5 Punkte zum Tremor 268
Felicitas Hoppe Das Erdbeben in Chili:
Ein preußischer Stummfilm
278
Olga Martynova Die Macht des Schriftstellers 289
Ulrich Peltzer Kleist/Erdbeben 300
 
Auf Tritt Die Poesie­
Michael Braun Diese Unschärfe nehme ich mit 314
Christiane Heidrich Gedichte 316
Jakob Nolte Tagebuch einer jungen Frau, die am Fall beteiligt war 323
Werner Fritsch LAUTE : STILLE 331
Amanda Michalopoulou Berliner Texte 337
Iryna Tsilyk Gedichte 348
­